17 09 29 Klasse 4 ist „stark bewegt“ beim Teamtraining…

IMG-20171003-WA0014 IMG-20171003-WA0013Klasse 4 ist stark bewegt – Teamtraining am 29.09.2017

Nach 3 tollen und spannenden bisherigen Trainings in den Schuljahren 1,2 und 3 waren alle Kinder der Klasse 4 schon sehr gespannt, welche Aufgaben denn nun heute auf sie warten würden. Zu Beginn schrieben die Kinder sich Namensschilder. Da sie darin schon geübt waren, ging das ziemlich schnell und es konnte gleich losgehen. Die Teamerinnen Ruth und Kirsten fragten die Kinder zunächst, welche Regeln für ein gelungenes Training wichtig sind. Die Kinder hatten viele Ideen-  „Es ist wichtig, sich im Kreis zu besprechen, weil man dann einander sehen und besser zuhören kann“, „Nur einer spricht und die anderen hören zu.“, „Wenn etwas mal nicht klappt, soll man nicht motzen, sonst ist vielleicht jemand traurig.“, „Wir helfen einander.“ – waren nur einige Aussagen der Kinder. Anschließend sollten die Kinder jeden anderen begrüßen, so wie Ruth und Kirsten es den Kindern zeigten (abklatschen und zunicken). Die Kinder haben auf Anhieb alle anderen Klassenmitglieder begrüßt, allerdings dabei außer Acht gelassen, dass sich die beiden Teamerinnen stumm begrüßten. In der anschließenden Reflexion wurde ebenfalls deutlich, dass einige ein bisschen fest abgeklatscht hatten. Man wünschte sich eine freundlichere Begrüßung. Also starteten die Kinder einen 2. Versuch, ohne miteinander zu reden und mit einem weniger energischen Abklatschen. Diese Begrüßungsrunde hat toll geklappt und alle Kinder versicherten sich anschließend auch noch einmal im Kreis, ob sie wirklich jeden begrüßt hatten.

Nun waren die Kinder bereit, in das Training zu starten. Teamerin Ruth erzählte eine Geschichte von den 5 Freunden, die sie zur Hilfe gerufen haben: Es gilt an ein Handy zu gelangen, auf der eine wichtige Nachricht für die Kinder ist. Die Kinder müssen einen Topf, in dem sich das Handy befindet, aus der Mitte eines Säureteiches bergen. Allerdings darf der Teich weder betreten, noch darf sich darüber gebeugt werden, denn sonst wird man verätzt. Lediglich ein langes Seil, das aus einem besonderen säureresistenten Material besteht, darf als Hilfsmittel über den Teich gehalten werden. Es darf die Säure an sich (also den Boden) aber auch nicht berühren. Außerdem gilt noch die Regel, dass alle Kinder zu jeder Zeit das Seil berühren müssen. Die Kinder waren sehr motiviert und skeptisch zugleich. Auf Riekes Frage hin, ob sie sich besprechen dürften, setzten sich alle in einen Kreis und überlegten, wie sie den Topf mit dem Handy bergen könnten. Hierbei haben die Kinder sehr gut auf die Gesprächsregeln geachtet: Immer nur einer sprach, die Klassensprecher Silas und Hannes nahmen die Kinder abwechselnd dran.

Schnell war klar, dass sich die Kinder gleichmäßig an den beiden Enden des Seiles verteilen wollten. Die erste Idee den Topf zu bergen bestand darin, das Seil um den Topf zu wickeln, indem die Kinder um den Teich gingen. Nach einigen Versuchen wurde klar, dass diese Idee nicht zum Erfolg führen würde, denn der Topf fiel immer wieder in die Säure oder wurde erst gar nicht durch das Seil gehalten. Dann kam einem Kind die Idee, eine Schlaufe in die Mitte des Seiles zu knoten, mit der die Kinder den Topf einfangen wollten. Es gelang ihnen zwar, die Schlaufe um den Topf zu legen, allerdings rutschte der Topf auch hier wieder heraus und landete im Teich. Auch eine Schlaufe mit einem sich zuziehenden Knoten führte nicht zum Erfolg. Mit den zunehmenden Fehlversuchen wurden die Kinder unruhiger, eine neue Besprechungsrunde war nötig. Teamerin Ruth versuchte, die Kinder auf die richtige Spur zu bringen, indem sie fragte, wie die Kinder den Topf mit 2 Stöcken bergen würden. Schnell hatten sie die Idee, eine Seilhälfte unter den einen Henkel, und die andere unter den anderen zu legen, stramm zu ziehen und so den Topf vorsichtig über den Teich nach außen zu tragen. Voller Elan wollten sie dies nun versuchen und es klappte fast. Kurz vor dem Ufer des Teiches fiel der Topf doch noch herunter. Die Kinder ließen sich aber nicht entmutigen. Ein Kind hatte die Idee, dass es vielleicht besser ginge, wenn man die Seilenden überkreuzte. Nun lief die Bergung glatt und alle jubelten! In der anschließenden Reflexion stellten die Teamerinnen Fragen oder machten Aussagen zur vergangenen Aufgabe. Bejahten sie Frage oder Aussage, sollten sie einen Schritt nach vorne treten, verneinten sie, einen nach hinten: „Habt ihr die Aufgabe geschafft?“ – Alle waren sich einig und gingen einen Schritt nach vorne. „Habt ihr die Regeln eingehalten?“ – Einige traten einen Schritt zurück, z.B. ein Kind, das seinen Arm über dem Teich hatte. Allerdings durfte der Arm dann nicht mehr benutzt werden und somit war das ok… „Habt ihr gedacht, dass ihr die Aufgabe noch schafft?“ – Einige verneinten, weil zuvor so viele Versuche gescheitert waren. Andere aber meinten, als Team können wir es schaffen, sie hatten die Hoffnung nicht aufgegeben…

Nach ungefähr 60 min. waren alle sehr froh, aber auch ziemlich geschafft, so dass es eine verdiente Pause gab. Nachdem sich alle gestärkt und ausgetobt hatten, rief Kirsten alle Kinder wieder zu einem Kreis zusammen. Sie lobte die Kinder, dass es toll sei, dass das Handy nun geborgen ist, aber um an die Nachricht zu kommen, müsse man eine besondere Tastenkombination eingeben. Die 2. Aufgabe bestand nun darin, in einem ca. 40 Meter entfernten Internetcafe 28 Zahlen der Reihe nach innerhalb von 3 Minuten anzutippen, während jedes Kind mind. 1 Zahl antippen muss. Dabei müssen alle Kinder bevor es losgeht und zum Schluss hinter dem Startpunkt, der blauen Linie stehen. Nach einer kurzen Besprechungszeit stellten sich die Kinder in einer Reihe hinter der blauen Linie auf, sprinteten einzeln nach vorne und tippten von 1 ansteigend bis 28 die Zahlenkarten an. Der Knackpunkt nach diesem Versuch war, dass sie viel zu lange hierfür brauchten. Anstatt des Limits von 3 Minuten brauchten sie fast 5 Minuten dazu. Eine neue Taktik musste her und so gab es eine neue Besprechungszeit. Ein Kind hatte die Idee, dass alle zusammen zum Internetcafe laufen, sich dort in einer Reihe aufstellen, nacheinander die Zahlen antippen und dann gemeinsam zurück hinter die blaue Linie rennen sollten. Mit diesem Plan waren alle schnell einverstanden. Versuch 2 und 3 scheiterten daran, dass zunächst 2x die 14 angetippt wurde und auch manchmal für kurze Zeit 2 Kinder gleichzeitig im Cafe waren. Jemand sagte: „Wir alle können bei den Zahlen mitdenken und helfen.“ Beim 4. Versuch achteten schließlich alle mit darauf, dass nicht 2 Kinder gleichzeitig das Internetcafe betraten und gaben Tipps, welche Zahl an der Reihe war. Die Aufgabe wurde in 1:15min. geschafft! Mit der Reflexionsmethode „Daumen hoch, Daumen runter“ waren sich alle einig, dass die Aufgabe geschafft wurde. Dann fragte Ruth die Kinder, was denn jetzt richtig gut geklappt hat: „Unsere Taktik war gut“, „Wir haben uns gut abgesprochen und alle wussten Bescheid“, „Wir sind immer in der gleichen Reihenfolge gelaufen, dann wussten wir schon, wo die Zahlen liegen“, „Wir haben gut aufeinander aufgepasst und besonders auf unseren Vorder- und Hintermann geachtet“.

Nach einer kleinen Trinkpause sollten die Kinder noch eine letzte Aufgabe bewältigen. Ruth erklärte, dass die Kinder als Gruppe zusammengebunden, einen vorher festgelegten Weg gehen müssen. Dabei sind allerdings alle blind, bis auf ein Kind. Diesem wird die Augenklappe wieder abgenommen, es wird die anderen führen. Alle waren ziemlich aufgeregt und redeten durcheinander, so dass das sehende Kind kaum Gehör fand. Nach einer Weile brachen die Teamer diese Übung ab und forderten eine Zwischenreflexion ein. Ruth fragte: „Was ist passiert?“ – „Mir hat jemand ins Ohr geschrien“, „Ich wurde geschubst, einige gingen in unterschiedliche Richtungen“ Kirsten: „Wer hätte sagen müssen, wo es lang geht?“ – „Der Sehende“, „Der Führer hat genau gesagt, wo es lang geht, aber alle waren zu laut“. Ruth: „Habt ihr den Sehenden führen lassen?“ – „Nein“. Nun sammelten die Kinder Ideen, was man besser machen könnte. Ein Kind sagte, dass man ganz leise sein müsse, damit man den Führer verstehe. Und so versuchten die Kinder es erneut. Beim 2. Versuch waren alle still, bis auf das sehende Kind, was wiederum gut den zurückzulegenden Weg beschrieb so dass schließlich alle heil am Ziel ankamen. In der anschließenden Reflexion wurden die Punkte, die nun gut geklappt hatten, nochmals herausgearbeitet: „Wir waren leise und haben gut auf den Sehenden gehört“, „Es gab gute und laute Kommandos“, „Wir sind langsam gegangen“. Schließlich wurde das sehende Kind noch gefragt, wie es sich fühlte. Es erklärte , dass es sich beim 1. Versuch nicht gut gefühlt hatte, beim 2. Mal es aber viel besser war, da ihm alle zugehört hatten. Ein Kind stellte noch heraus, dass alle dem Sehenden vertraut haben, was diesen schließlich sehr stolz machte und ihm ein Lächeln auf das Gesicht zauberte.

Nach dieser gelungenen letzten Übung wurde ich zur Abschlussreflexion wieder in den Kreis geholt. Die Kinder trugen noch einmal zusammen, was wichtig ist, um ein gutes Team zu sein. Das Teamtraining hat die Klassengemeinschaft, wie zuvor, weiter gestärkt. Die Kinder haben sich durchgängig sehr angestrengt und konnten alle gemeinsam die Aufgaben bewältigen. Trotz einiger Fehlversuche gab es weder Schuldzuweisungen noch böse Worte. In gemeinsamen Gesprächen, die ruhig und diszipliniert von den Klassensprechern geleitet wurden, äußerten die Kinder ihre Wünsche, sofern welche aufkamen, freundlich und nicht vorwurfsvoll. Zugleich wurden diese respektiert und umgesetzt. Für mich als Klassenlehrerin war es spannend zu sehen, welche Rollen die Kinder in einer solch nicht alltäglichen Situation einnehmen und ich freute mich zu sehen, wie so manches Kind bei diesem Training gewachsen ist.IMG-20171003-WA0012 IMG-20171003-WA0011 IMG-20171003-WA0010 IMG-20171003-WA0009 IMG-20171003-WA0008 IMG-20171003-WA0007 IMG-20171003-WA0006 IMG-20171003-WA0005 IMG-20171003-WA0004 IMG-20171003-WA0003 IMG-20171003-WA0002